Impressum:
Forum künstlerische Bildmedien e.V.
Friedelstr. 8, 12047 Berlin
Telefon: +49 (0)30 81704805
E-Mail: info[at]ori-berlin.de
Vereinsregister-Nr.: VR 27289B
AG Berlin-Charlottenburg
vertreten durch:
Stephan Neidert, Benjamin Gorgas
Lesebühne Neukölln
Maja Ludwig und Saskia Jaja
Donnerstag, 02.09.10, 21.00 Uhr

Whiskey, Zigaretten und ein Kartenspiel. Und der Mann im maßgeschneiderten Anzug mit Dreitagebart. Wenigstens gut angezogen, sagt die Werbung. (Aber darauf stehen Frauen doch, oder? Nikotin, Alkohol und Seide, genau). Früher hieß das Spielhölle - heute sind das diese Läden, so groß wie ein Kiosk, an denen nichts nur "ab 18 Jahre" an der Tür steht. Die Regierung hat eine Glücksspielaffäre, und Pokern ist nur noch in Kasinos legal. Dabei ist Glücksspiel doch Sport - Volkssport. Ach. Aber besser als Huren. Wir haben als Kinder auch immer Himmel und Hölle gespielt im Hinterhof. Auf der Post, wo ich fingerklopfend auf die Nummerntafel starre, sagt der alte Mann, ich soll mich in der Schlange fürs Lottospiel anstellen. Da wartet nie jemand. Für 1,20 kann man Lotto spielen und Briefmarken kaufen, vielleicht gewinnt man sogar. Mein Opa hat das mit System gemacht. Und hat er gewonnen? Einmal. Auch nicht öfter als die anderen. Die wollen sich doch betrügen lassen. Siehst Du den Automaten da? Draußen steht Liebe, Freundschaft, Abenteuer drauf, und wenn du eine Münze reinwirfst, kommt immer nur ein Schokoriegel in Aluminiumpapier raus. Teufelszeug. Und den letzten fressen die Hunde. Und darüber schreibst du jetzt einen Roman. Damit ist doch kein Blumentopf zu gewinnen. Nein, aber wenn er fertig ist, kauf' ich Dir ein Eis.
Maja Ludwig und Saskia Jaja, geboren Ende der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts in Großstädten mittlerer Größe in den heutigen Neuen Bundesländern, inzwischen wohnhaft in der näheren Umgebung von Berlin, über Liebe, Schokoriegel, gezinkte Karten und Geschichten, die eigentlich Romane sind, aber dann doch lieber keine werden wollten.
(Alle Angaben ohne Gewähr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.)
Kammerflimmern
#26
Mittwoch, 01.09.10, 21.00 Uhr
Kammerflimmern; jeden Mittwoch mit montalich wechselndem Themenschwerpunkt.
Aus aktuellem Anlass zeigen wir diesen Monat eine bunt gemischte Auswahl des filmischen Werkes und dokumentierter Aktionen Christoph Schlingensiefs (1960-2010). Ob als Film-, Theater- und Opernregisseur oder (Hörspiel-)Autor und Aktionskünstler – Schlingensief sorgte mit seinem künstlerischen Schaffen immer für Aufsehen und Kontroversen. Um uns einen eigenen Eindruck über das Opus des 'enfant terrible' zu machen, rollen wir die Leinwand aus für TV-Shows, einen Film, ein Theaterstück und eine öffentliche Aktion Schlingensiefs aus den letzten 20 Jahren. Alles nur Provokation?
Los geht's:
In dem gespenstischen Führerbunker und den ihn umgrenzenden dunklen Gängen belauern sich unentwegt neun Personen: fünf Männer und vier Frauen. Es sind die Größen des untergehenden Nazi-Reichs, die hier ihre letzte Stunde miteinander verbringen. Aber auch kurz vor ihrem Tod sind Hitler, Göring, Goebbels, Eva Braun und all die anderen nichts als erbärmliche Spießer, die sich gegenseitig auf die unflätigste Art und Weise beschimpfen.
Lesung
Diethmar Guth
Samstag, 04.09.10, 21.00 Uhr

Es gibt etwas, das heißt im Allgemeinen "das Leben", es weiß aber niemand so genau, was das eigentlich sein sollte. Es gibt außerdem etwas, das heißt im Allgemeinen "die Literatur" oder die "die Kunst", aber auch da weiß niemand so ganz genau, was das eigentlich sein sollte. Manchmal, wenn die beiden sich treffen, "das Leben" und "die Literatur", dann entsteht etwas anderes, Drittes, für das nicht einmal ein adäquates Wort existiert. Von diesem Dritten handeln die Romane und Erzählungen von Dietmar Guth. Seine Prosa ist eine der leisen Töne, die sich auch angesichts der Abgründe der menschlichen Existenz die Fähigkeit zu genauer Beschreibung und feinen Abstufungen bewahrt. In der Fortsetzung seiner Lesung im Februar stellt Dietmar Guth jetzt weitere Erzählungen und neue Teile eines in Arbeit befindlichen Romans vor.
Kammerflimmern
#27
Mittwoch, 08.09.10, 21.00 Uhr
Kammerflimmern; jeden Mittwoch mit montalich wechselndem Themenschwerpunkt.
Aus aktuellem Anlass zeigen wir diesen Monat eine bunt gemischte Auswahl des filmischen Werkes und dokumentierter Aktionen Christoph Schlingensiefs (1960-2010). Ob als Film-, Theater- und Opernregisseur oder (Hörspiel-)Autor und Aktionskünstler – Schlingensief sorgte mit seinem künstlerischen Schaffen immer für Aufsehen und Kontroversen. Um uns einen eigenen Eindruck über das Opus des 'enfant terrible' zu machen, rollen wir die Leinwand aus für TV-Shows, einen Film, ein Theaterstück und eine öffentliche Aktion Schlingensiefs aus den letzten 20 Jahren. Alles nur Provokation?
Zweiter Beitrag:
Die Mutter der deutschen Talkshow-Satire. Schlingensief startete hier seinen ersten Selbstversuch als Moderator, entfesselt einen Medienhype, betrügt seine Freundin, beichtet es öffentlich, bekommt haufenweise Heiratsanträge, schwitzt vor Angst Hemden durch, ruft zur Tötung deutscher Politiker auf, belustigt und verschreckt sowohl ahnungslose Talkgäste als auch das Publikum und ist schließlich froh, als das Experiment nach acht Folgen erfolgreich beendet und er selbst ein Medienstar geworden ist, der von Taxifahrern erkannt wird.
Lesebühne Neukölln
Mark Pätzold
Ein Abend im Zeichen des Wahnsinns
Donnerstag, 09.09.10, 21.00 Uhr

Foto: Kai Gaedtke
Jedes Jahr treten 50.000 neue Rekruten ihren Wehrdienst bei der Bundeswehr an. Kaum einer von ihnen ist vorbereitet auf die bizarre Welt, die sie dort erwartet. Hier gelten eigene Gesetze, Regeln und Maßstäbe, die Dinge haben andere Namen, wie überhaupt eine andere Sprache gesprochen oder vielmehr geschrieen wird. Mark Pätzold erzählt in seinem Handbuch von der Soldatwerdung des Menschen während der Grundausbildung und führt mit ätzendem Spott den Alltagswahnsinn in der Truppe vor. Hier erfahren unbedarfte Zivilisten alles über Dienstgrade, Spindordnung und Bettenbau, die Geheimnisse von Abkürzungen, Antreten und Abtreten, über den Sinn von Brotaufstrichdosen und den Unsinn wirklich viel zu vieler Liegestütze.
Mark Pätzold, Jahrgang 1974, ist leidenschaftlicher Bewohner Berlins, hat Luft- und Raumfahrttechnik, Systemtechnik und Philosophie studiert und vier Jahre bei der Bundeswehr gedient. Inzwischen ist Mark Pätzold überzeugter Pazifist und gestandener Schriftsteller. 2006 erschien sein Roman Sturzflug bei Goldmann und wurde mit dem Brigitte-Romanpreis ausgezeichnet, 2008 folgte Das Lachen am Ende der kippenden Leiter, eine Sammlung von Kurzprosa und Kolumnen, im österreichischen Kilian-Verlag. Nun hat Mark Pätzold mit Weggetreten - Die sonderbare Welt der Bundeswehr ein Handbuch vorgelegt, das nicht nur zukünftige Armee-Angehörige aufmerksamst lesen sollten.
Lesung
Burkhard Behring
Gesabbelte Werke
Samstag, 11.09.10, 21.00 Uhr

Burkhard Bering ist Deutschlands erster Comic-Fabulator. Was ihn von Mario Barth unterscheidet, ist klar: Wenn Burkhard nämlich im Olympiastadion vor 70000 Leuten spielen wollen würde, dann würden etwa 50000 Flaschen in den ersten zwei Minuten auf die Bühne geflogen kommen. Der Pfandwert würde die Gage von Mario Barth für die ersten zwei Minuten ganz locker übersteigen. Burkhard Behring kommt aus Friedrichshain und geht ab und zu in die Pasta-Bar und ißt Pasta da. Neulich hatte die Pastabar keine Pasta da... was tut man da? ...ganz zufällig ist um die Ecke noch eine Rasta-Bar...
Die "Gesabbelten Werke" von Burkhard Behring handeln teils vom Alltag, teils von übermenschlichen Geschehnissen - etwa wie die Klingonen die den Reichstag abschiessen und danach mit King-Kong ein Bier trinken gehen... Schräge Geschichten, ziemlich trashig und ziemlich nonkonform.
Kammerflimmern
#28
Mittwoch, 15.09.10, 21.00 Uhr
Kammerflimmern; jeden Mittwoch mit montalich wechselndem Themenschwerpunkt.
Aus aktuellem Anlass zeigen wir diesen Monat eine bunt gemischte Auswahl des filmischen Werkes und dokumentierter Aktionen Christoph Schlingensiefs (1960-2010). Ob als Film-, Theater- und Opernregisseur oder (Hörspiel-)Autor und Aktionskünstler – Schlingensief sorgte mit seinem künstlerischen Schaffen immer für Aufsehen und Kontroversen. Um uns einen eigenen Eindruck über das Opus des 'enfant terrible' zu machen, rollen wir die Leinwand aus für TV-Shows, einen Film, ein Theaterstück und eine öffentliche Aktion Schlingensiefs aus den letzten 20 Jahren. Alles nur Provokation?
Und diesmal:
Eine spannende und aufschlussreiche, erschreckende wie lustige Chronik und Reflektion über den größten Streich, den der Kunst-Terrorismus an unserer scheinaufgeklärten Multimedia-Realität begangen hat. Nach dem Wahlsieg der österreichischen, rechtsextremen FPÖ inszenierte Schlingensief ein interaktives Konzentrationslager im touristischen Zentrum Wiens. Eine greifbar gemachte Satire auf Fremdenhass, BigBrother-Spielchen und neuen Nationalismus.
Lesebühne Neukölln
Stefan Schenkl
Donnerstag, 16.09.10, 21.00 Uhr

Foto: Martin Ritter
Der vielfach für seine Virtuosität gelobte Autor Stefan Schenkl machte bereits mit seinem 'Kult'-Erzählzyklus Feldstadt sowie durch seine Gedichtbände Geisterkraft, Unterm Zauberhut der Sterne und Mainromanzen auf sich aufmerksam und stellt mit der intensiven Schilderung der grenzenlosen Feurigkeit der von Schlangen und schlangenvergötternden Menschen gemeinsam bewohnten Schlangenstadt seine Vielseitigkeit unter Beweis, wenn das packende Abenteuer mehr und mehr in den Takt der heißblütig ertrommelnden Riten der rythmisch durchtanzten Schlangenfeste zu gleiten vermag, in welchen die Hauptfigur, das Waisenmädchen Bona, dann in Todesgefahr gerät...
Der Schriftsteller Stefan Schenkl wurde im In- und Ausland vom Publikum gefeiert und vermag eine in der Weltgeschichte einzigartige Produktivität vorzuweisen: Er schrieb - unter anderem! - 73 Romane, 1.818 Erzählungen und Kurzgeschichten, 58 Theaterstücke und 5.289 Gedichte.
aktuelle Ausstellung
Friendly Art Works
Fraukes und Marits Geburtstagsausstellung
21.08.10 - 19.09.10

"Freundschaft ist nicht nur ein köstliches Geschenk, sondern auch eine dauernde Aufgabe." -E. Zacharias
Deshalb haben wir unsere Freunde und Familien dieses Jahr aufgefordert, uns zum Geburtstag etwas "Selbstgemachtes" zu schicken. Kunst statt Geschenke.
Viele fanden die Idee gut; manche hatten keine Ahnung, was wir von ihnen wollten; alle wussten, dass sie nicht absagen durften; keiner hat uns beschimpft.
Dies ist eine Ausstellung von unseren Freunden. Unser 32. Geburtstag ist gleichzeitig das 32. Jubiläum unserer Freundschaft und so verbinden uns nicht nur viele gemeinsame Erlebnisse, sondern auch Menschen, die diese mit uns teilen. Davon erzählen die Kunstwerke.
Das Ergebnis: ein Experiment, ein Durcheinander an Stilen, Geschichten, Bildern.
friendly art works
Vernissage: 21.08.10
Finissage: 19.09.10
Kammerflimmern
#29
Mittwoch, 22.09.10, 21.00 Uhr
Kammerflimmern; jeden Mittwoch mit montalich wechselndem Themenschwerpunkt.
Aus aktuellem Anlass zeigen wir diesen Monat eine bunt gemischte Auswahl des filmischen Werkes und dokumentierter Aktionen Christoph Schlingensiefs (1960-2010). Ob als Film-, Theater- und Opernregisseur oder (Hörspiel-)Autor und Aktionskünstler – Schlingensief sorgte mit seinem künstlerischen Schaffen immer für Aufsehen und Kontroversen. Um uns einen eigenen Eindruck über das Opus des 'enfant terrible' zu machen, rollen wir die Leinwand aus für TV-Shows, einen Film, ein Theaterstück und eine öffentliche Aktion Schlingensiefs aus den letzten 20 Jahren. Alles nur Provokation?
In Kürze:
Christoph Schlingensief inszeniert am Zürcher Schauspielhaus den Hamlet, verbietet Parteien und resozialisiert Neonazis... .
Lesebühne Neukölln
Isabella Bach und Swenja Karsten
Böse Böse
Donnerstag, 23.09.10, 21.00 Uhr
Ein Frauentrio jagt durch Berlin, um mit vereinter krimineller Energie dem Familienoberhaupt zur Seite zu stehen. Und ein scheinbar unbescholtener Bürger erfährt aus seiner Stasi-Akte etwas, das ihm den Boden unter den Füßen wegzieht.... Die Mörderischen Schwestern Isabella Bach und Swenja Karsten präsentieren zwei ihrer Kriminal-Kurzgeschichten, die es in sich haben: Temporeich, voller Überraschungen und so richtig schön böse.
Isabella Bach: Schneewittchen
Juni 2009. Als Adrian Buchmüller seine Stasi-Akte einsieht, erlebt er eine zynische Überraschung.
Die ehemalige Chefsekretärin Isabella Bach arbeitet seit 2006 als freie Autorin. Veröffentlichung von Erzählungen in Literaturzeitschriften, Anthologie, Internet.

Foto: Robert Recker
Swenja Karsten: Weit kann’s sein nach Friedrichshain
Weit kann’s sein nach Friedrichshain – wenn man die O2-World-Arena ausrauben will und mittellos in Griebnitzsee festsitzt.
Geboren in Bremerhaven, aufgewachsen in Mittelfranken, begeisterte Wahlberlinerin. Drehbuchautorin: u.a. Kinofilm „Grüne Wüste“ (2000). Mitglied der Mörderischen Schwestern seit 2009.
Kammerflimmern
#30
Mittwoch, 29.09.10, 21.00 Uhr
Kammerflimmern; jeden Mittwoch mit montalich wechselndem Themenschwerpunkt.
Aus aktuellem Anlass zeigen wir diesen Monat eine bunt gemischte Auswahl des filmischen Werkes und dokumentierter Aktionen Christoph Schlingensiefs (1960-2010). Ob als Film-, Theater- und Opernregisseur oder (Hörspiel-)Autor und Aktionskünstler – Schlingensief sorgte mit seinem künstlerischen Schaffen immer für Aufsehen und Kontroversen. Um uns einen eigenen Eindruck über das Opus des 'enfant terrible' zu machen, rollen wir die Leinwand aus für TV-Shows, einen Film, ein Theaterstück und eine öffentliche Aktion Schlingensiefs aus den letzten 20 Jahren. Alles nur Provokation?
Abschließend:
Schlingensiefs Version der RTL-Show „Popstars“ über die Entstehungsgeschiche einer Band - vom ersten Casting, über das Training, über Konflikte und Tonaufnahmen bis hin zur ersten Tour. Der Film wirft die ungestellte Frage auf, wer hier eigentlich behindert, und wer in seinen natürlichen Ausdrucksmitteln eingeschränkt ist.
Lesebühne Neukölln
Susanne Alge
Premiere für Han Li
Donnerstag, 30.09.10, 21.00 Uhr
Roswitha fühlt sich in ihrem beengenden und spießigen Elternhaus, als käme sie von einem anderen Planeten. Schon als Kind ekelt sie sich vor dem Gedanken, einmal im Bauch ihrer Mutter gesteckt zu haben, die für sie den Inbegriff verklemmter Selbstgerechtigkeit darstellt: "man musste sie nicht hassen, um allein aus ihrem Äußeren die richtigen Schlüsse zu ziehen." Bei der Scheidung der Eltern sagt sie trotzdem gegen den Vater und für die Mutter aus.
In diesem Zwiespalt verbringt Rosi ihre Jugend. Zwar bedeutet das Leben mit der Mutter für sie einen ständigen Widerstreit mit den eigenen Bedürfnissen, trotzdem fällt es ihr schwer, sich aus der Verstrickung mit der Mutter zu lösen. In der Familie ihrer Freundin Jette lernt Roswitha zum ersten Mal so etwas wie Lebensfreude kennen. In der Auseinandersetzung mit den Freiheiten, die die Welt der Freundin ausmacht, durchlebt Roswitha eine merkwürdige Verwandlung. Stand am Anfang des Romans ein erfrischend widerspenstiges Kind, das sich gegen die ungerechte Behandlung in der Familie auflehnte und die spießigen Moralvorstellungen der Mutter verteufelte, wird sie nun ihrer Mutter immer ähnlicher.
Premiere für Han Li ist also einerseits ein Roman über die Macht familiärer Muster und über den Hunger nach intellektueller Freiheit, über das Erwachsenwerden in der erstickenden Enge der Sechzigerjahre. Andererseits, und darauf bezieht sich der zunächst rätselhafte Titel, handelt er von dem Bedürfnis, etwas zu verändern, vom Widerstand gegen Ungerechtigkeiten. Den Namen Han Li haben Roswitha und Jette sich für das kleine vietnamesische Mädchen ausgedacht, deren Foto um die Welt ging: Schreiend und brennend rennt sie über die Straße und wird zum Symbol für die Unmenschlichkeit des Krieges. Für die fiktive Han Li schreibt Roswitha ein Theaterstück, mit dem sie sich zugleich ihren Platz in der Welt erschreibt. Vor diesem Platz schreckt sie jedoch immer wieder zurück und stößt andere damit vor den Kopf.
Susanne Alge entwirft ein kritisches Portrait der Bundesrepublik der Sechzigerjahre. Trotz bissigem Humor hinterlässt der Roman vor allem Nachdenklichkeit. Und ein allzu seichtes Happy End gönnt die Autorin ihrer Heldin nicht.
Susanne Alge, geboren 1958 im östterreichischen Lustenau, Studium von Germanistik/Romanistik in Salzburg, Dissertation zur österreichischen Exilliteratur, lebt seit 1990 als freischaffende Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin in Berlin. Hörspiele, Performances und Features zu diversen bekannten sowie vergessenen jüdischen Dichterinnen und ins Exil gejagten Autorinnen und Autoren.